CH-9000 St.Gallen
+41 (0)71 280 02 47
info@ninosenxela.ch

Aktuelles aus Guatemala

März 2021

Seit Mitte Februar haben die Schulen ihre Aktivitäten zwar wieder aufgenommen, doch bleibt eigentlich alles beim Alten. Nur wenige Schulen führen Präsenzunterricht durch, da die jeweilige Gemeinde im Ampelsystem auf Rot steht. Die Lehrpersonen erteilen Hausaufgaben und geben den Schülern autodidaktische Lehrmittel in den Fächern Mathematik, Spanisch und Natur- und Sozialwissenschaften ab (letztere für SchülerInnen ab der Sekundarstufe I). Die autodidaktischen Lehrmittel sind grundsätzlich mit interessanten Themen und der Schwierigkeitsgrad der Stufeentsprechend angepasst, doch lässt besonders der Theorieteil zu wünschen übrig und erfordert das Erklären durch eine kompetente Person. Die Lehrpersonen der öffentlichen Schulen stehen dafür aber nicht zu Verfügung, ihr Lehrauftrag ist mit der Erteilung von Hausaufgaben bereits erfüllt.

Die neue Modalität und Funktion von Ninos en Xela als Hausaufgabenzentrum hat sich langsam aber sich eingependelt. Während dem sich vor allem am Anfang die Familien mit der neuen Modalität eher schwer getan haben, kommen die Kinder mittlerweile wirklich regelmässig, an dem ihnen zugeteilten Tag ins Projekthaus, um Unterstützung und Hilfe beim Erledigen der Hausaugaben zu erhalten. Das gemeinsame Mittagessen und das anschliessende Zähneputzen scheint den Kindern zu gefallen, da dadurch eine Art «soziale Normalität» zurückkommt. Besonders in Xela sind wir als Team dran, das Tagesprogrammstets etwas auszubauen und anzupassen, geplant sind etwas mehr soziale Aktivitäten während den Pausen. Im Dörfchen La Emboscada zeigt sich die Lage etwas anders. Nur wenige Kinder nutzen das NEX-Angebot im Nachhilfezentrum vor Ort – unser Mam-Lehrer verbringt seine Halbtage oft allein, was natürlich sehr unbefriedigend ist. In den ländlichen Gemeinden ist es leider oft der Fall, dass die Kinder und vor allem Jugendliche nun anstatt zur Schule – arbeiten gehen und so zum Familienhaushalt beitragen. NEX verbietet den Projektkindern während des Erhalts des Stipendiums zu arbeiten, der aktuellen Situation entsprechend haben wir diese Regeln in vereinzelten Fällen etwas gelockert. Ab der Sekundarstufe I und bei gutem Notendurchschnitt drücken wir ein Auge zu. Doch für Kinder auf der Primarstufe gilt nach wie vor ein Arbeitsverbot. Wir beobachten die Situation in La Emboscada und werden entsprechende Massnahmen vollziehen.

Jasmin Egli

Projektleiterin

Für weitere Informationen zum allgemeinen Stand der Situation in Guatemala konsultieren
Sie: www.guatemalanetz-zuerich.ch/info_bulletin.html

Gesundheit
Im Gesundheitsbereich haben wir im März verschiedene Gesundheitstage durchgeführt.So einerseits die jährliche gynäkologische Vorsorgekontrolle für alle Projektmütter und jungen Projektfrauen ab 20 Jahren. Bedauerlicherweise nahmen von den 50 eingeladenen Frauen nur 40 teil, nach eigener Aussage möchten sie den Gebärmutterhalskrebs-Abstrichnicht durchführen. Wir müssen das entsprechend akzeptieren. In 15 Fällen müssen weitere Abklärungen durchgeführt werden. Im Bereich gesundheitliche Prävention haben wir Mitte März mit allen Jugendlichen einen Workshop zum Thema „Körperhygiene während der Pubertät“ durchgeführt. Die Jugendlichen haben je ein Deodorant erhalten. Unsere Pflegefachfrau, Gabriela Elias, hat zudem die erste Gesundheitskampagne mit allen Kindern und Jugendlichen aus und rundum Xela durchgeführt. Dabei wurden Daten wie Grösse, Gewicht, Blutdruck, Körpertemperatur gemessen und Fragen zum allgemeinen Wohlbefinden zur Erhebung des Entwicklungsstands gestellt.

Gabriela Elias, Verantwortliche Bereich Gesundheit

 

Landwirtschaftsprojekt Las Luchadores

Ziegenprojekt
Den Geissen geht es gut. Alle sind gegen Krankheiten und Viren geimpft. Eine hat Ende Januar zwei kleine Geisschen zur Welt gebracht. Enrique hat Doña Olga, bei welcher die Muttergeis lebt, das Melken beigebracht. Sie melkt die Geis mittlerweile täglich und gewinnt zwei Becher Geissenmilch. Diese verkauft sie für fünf Quetzales (umgerechnet etwa 0.65Rappen) an ihre Nachbarn oder gibt die Milch ihren zwei Töchtern zum Trinken. Zudem wurde entschieden, die weisse Geis, welche bisher nur Fehlgeburten erlebt hat, zu schlachten und das Fleisch zu verkaufen. Enrique und fünf Projektfrauen aus Xela, welche das Schlachten durchgeführt haben, erhoffen sich einen Erlös von ca. 500 Quetzales (umgerechnet etwa CHF 65.00).

Hühner
Das Hühnerprojekt läuft gut. Zurzeit haben wir 400 Hühner, wovon vier aktuell krank sind und deshalb bis zur Genesung getrennt von den anderen leben. Nach einigen internen Konflikten nehmen die meisten Frauen der «Las Luchadoras» ihre Aufgaben wieder ernster, erscheinen pünktlich und erledigen ihre Arbeit wieder zuverlässig. Die Eier werden erfolgreich vertrieben, so dass es manchmal auch vorkommt, dass der Käufer gerne mehr hätte, als das wir bieten können. Um etwas mehr Licht und somit Wärme in den Hühnerstallzu bringen, wurden im März zwei transparente Wellbleche im Dach eingebaut.

Landwirtschaftsprojekt
Im März hat Enrique mit den Projektfrauen aus Xela, die in drei Gruppen eingeteilt wurden, angefangen die Erde auf die Saat vorzubereiten. Die Idee ist, dass die vier Gruppen mit je vier bis fünf Projektfrauen, in einem spezifischen Bereich arbeiten. Die 1. Gruppe wird in Xela einen Lombrikompost errichten, die 2. Gruppe wird die Austernpilze, welche weiterhin in La Emboscada kultiviert werden, vertreiben, die 3. Gruppe wird den Projektgarten in Xela bewirtschaften. Geplant ist das Bepflanzen von medizinischen Pflanzen wie Pfefferminze, Perikon, Kamille, Apazote etc. Zudem sollen weitere regionale Gemüse- und Obstartenangebaut und kultiviert werden.

Vermikompost
Den Regenwürmern geht es gut. Enrique schätzt die Anzahl au ca. 15’000 Erwachsene, welche weiter reproduzieren. Im April kann Enrique 10 Galonen (ca. 37.8 Liter) Flüssigdünger aus dem Urin der Regenwürmer verkaufen.

Austernpilze
Die Saat der Austernpilze ist noch ausstehend. Die Frauen in La Emboscada möchten das Projekt nicht weiterführen und haben deshalb nicht dazu beigetragen gedroschene Maiskolben zu finden, welche die Basis für die Kultivierung der Austernpilze und entsprechend unverzichtbar sind. Enrique möchte das Projekt allerdings weiterführen und wird sich nun mit einer der Frauengruppe aus Xela arrangieren.

Enrique Gutierrez